Im Sport will Philipp der Schnellste sein, im Beruf steht im kommenden Jahr die Meisterschule an: Das Echte Niedersachsen-Model scheint zu wissen, was es will. Zwischen Arbeit und Sport findet er seinen Ausgleich im Privaten.
Acht Stunden im Büro zu sitzen, kann sich Philipp nicht vorstellen. Er braucht Luft zum Atmen, Bewegung in den Beinen und den Kontakt zu anderen Menschen. „Abgeschieden hinter einem Schreibtisch sitzen, ist für mich undenkbar,“ sagt der 23-jährige Landmaschinenmechaniker. Anders als viele seiner Kollegen, kommt Philipp nicht aus einer Familie mit Landwirtschaft. Seine Eltern waren Schriftsetzer, ein Beruf im Druckhandwerk fernab von Treckern, Ernte und Tiere. Mit der Landwirtschaft sei er erst in Berührung gekommen, als er mit seiner Familie von Peine ins benachbarte Essinghausen gezogen ist. „Wir haben in einem neuen Mehrfamilienhaus auf einem umgebauten Bauernhof mit Stallungen gewohnt,“ erinnert er sich. „Mit elf Jahren habe ich zum ersten Mal auf einem Pferd gesessen und in den Ferien bei der Ernte benachbarter Landwirte geholfen.“ Die großen Maschinen haben ihn beeindruckt.
Als Schüler hatte Philipp lange Zeit keine Lust auf Lernen und Klassenarbeiten. „Erst später, im zweiten Ausbildungsjahr, ist mir klargeworden, dass ich das für mich tue.“ Die Noten wurden besser. Heute - drei Jahre nach dem Ende seiner Ausbildung - gibt er seine Erfahrung an Auszubildende weiter und referiert für sie zu verschiedenen Themen. Überhaupt, liegt ihm die Arbeit mit jungen Menschen am Herzen. Philipp spielte 15 Jahre lang Feld- und Hallenhockey, zwei Jahre lang trainierte er eine Jugendmannschaft. „Ich finde es großartig, die Entwicklung junger Menschen beobachten zu können.“ Auf die Frage, wie Lehrer Minnich denn sei, antwortet er zögerlich: „Er hat seine Vorstellungen und möchte, dass das auch funktioniert.“
Philipp hat einen eigenen Plan, will aber nicht mit dem Kopf durch die Wand. Eigentlich wollte er nach der Ausbildung im Januar 2008 zur Bundeswehr und Zeitsoldat für zwölf Jahre werden. Im April hatte die Armee keine Stelle für ihn, und er ging erst einmal nach Ostfriesland, um dort die Monate zu überbrücken. Schon im Sommer bekam er die Chance, in seinen Ausbildungsbetrieb zurückzukehren, um dort zu arbeiten. Zum Grundwehrdienst wurde Philipp trotzdem eingezogen - als einer der Letzten. „Die Zeit war nicht einfach“, sagt er, „voll mit fragwürdigen Aufgaben, die man einfach nicht hinterfragen darf“. Einzig der Zusammenhalt unter den Kameraden, blieb ihm positiv in Erinnerung. Im kommenden Januar geht es nach Lüneburg zur Meisterschule.
Neben der Arbeit braucht Philipp Bewegung. „Eine Woche ohne Inline-Skates fahren oder Fitness, halte ich nicht durch.“ Speedskating ist seine Leidenschaft. Auf Wettkämpfen in ganz Norddeutschland tritt er für den MTV Hildesheim an. Die ruhigen Momente, abseits von Arbeit und Rennstrecke, genießt Philipp mit seiner Freundin. Kürzlich waren sie in Hamburg im Musical „König der Löwen“.
Die Idee beim Casting für Echte Niedersachsen teilzunehmen, kam ihm und einem Kollegen. „Es war viel mehr ein Spaß, als dass wir ein ernstes Ziel verfolgten.“ Sein Kollege sprang ab, Philipp blieb dabei. Im Hinterhof der Werkstatt entstanden zwei Bilder, mit denen er sich bewarb. „Ich war schon ein wenig überrascht, dass ich eingeladen wurde.“ Das Casting sei sehr entspannt gewesen, sagt er. „Ich habe mich wohlgefühlt - mit den anderen Models, dem Team und den Fotografen.“ Ein klein wenig aufgeregt war er schon, mit dem Ergebnis ist er aber zufrieden. Dass Philipp bald in einem Kalender zu sehen ist, weiß kaum jemand. „Ich habe das nicht großartig rum erzählt. Die, die es wissen, finden es gut.“
Felix Klabe