Drei spannende Monate in Kanada, Jahre in der Feuerwehr und wohl ein Leben lang in der Landwirtschaft. Das Echte Niedersachsen-Model Hendrik beendet in diesem Sommer seine sechsjährige Ausbildung. Autor Felix Klabe hat ihn von der Schule abgeholt.
Landwirtschaft, Floristik und Gartenbau haben Tradition an der Heisterbergallee in Hannovers Stadtteil Ahlem. Dort entstand 1983 die israelitische Gartenbauschule, die jüdischen Jugendlichen in einer Zeit der Ausgrenzung eine berufliche Perspektive bieten sollte. Die Nationalsozialisten zerstörten diesen Ort der Integration und machten die Gartenbauschule zu einer Sammelstelle für die zur Deportation bestimmten Juden Hannovers. Erst in den Jahrzehnten nach Kriegsende wurde der Ort durch die Gründung der Justus-von-Liebig-Schule wieder zu dem, wofür er bestimmt war: Junge Menschen zu Gärtnern, Landwirten, Floristen oder Fischwirten auszubilden.
In Zukunft Landwirt
„Die Justus-von-Liebig-Schule ist eine gute Schule, hier sind schon viele Jahrgänge durchgegangen“, sagt Hendrik (22). Auch sein Vater machte dort seinen Landwirt an der Abendschule, um den Hof seiner Eltern übernehmen zu können. Mittlerweile ist der Hof in Redderse nur noch ein Nebenerwerbsbetrieb. Schon der Großvater war vorausschauend und riet Hendriks Vater „etwas Richtiges“ zu lernen. Für Hendrik ist die Landwirtschaft genau das Richtige, seine Zukunft.
Nach der Realschule folgte das Berufsgrundbildungsjahr (BGJ). „Einiges kannte ich bereits vom Hof meiner Eltern.“ Für ihn ist daher vieles selbstverständlich. Auch in der Schule. „Der Umgang mit den Lehrern ist entspannt, was nicht heißt, dass der Stoff immer einfach ist.“ Im Sommer will er seine Schullaufbahn erfolgreich beenden.
Bis dahin was es ein langer Schulweg. Im Anschluss an das BGJ folgte die praktische Ausbildung in Betrieben in Wendenborstel und im Raum Hildesheim. Schon vor der bestandenen Prüfung zum Landwirt war für ihn klar, dass er auch die Einjährige und Zweijährige Fachschule besuchen wird, um die Betriebsführung zu lernen. Außerdem erhöhe das die späteren Chancen.
Zwischen den Jahren an der Fachschule zog es Hendrik in die Ferne. Erst ein halbes Jahr Vollzeitbeschäftigung im Osten Deutschlands, dann ein Praktikum auf den Betrieb einer emigrierten deutschen Familie in der südkanadischen Provinz Ontario. Er besuchte mit seinem Chef die Niagara Fälle oder die Metropole Toronto. „Es war eine spannende Zeit“, erinnert sich Hendrik, „da wird man schon ein Stück erwachsener.“ Im vergangenen Sommer ging es für Hendrik dann in die letzte Etappe seiner Schulzeit. Für den gelernten Landwirt ist der staatlich geprüfte Betriebswirt mit Fachhochschulreife das Ziel, auch wenn er bei schönem Wetter lieber auf dem Hof hilft, als Betriebswirtschaft und Marketing zu lernen.
Auch die Freizeit ist wichtig: „Feiern darf nicht zu kurz kommen.“ Mit Freunden geht es zu Festen in der Region oder zum Tanzen in Hannovers Innenstadt. Genauso unverzichtbar: die Feuerwehr. Sie treffen sich einmal im Monat, um einen Löschangriff zu üben.
Shooting zwischen Äpfeln
Es waren auch seine Kameraden bei der Feuerwehr, die die LAND & Forst-Seite entdeckten, auf der die Casting-Gewinner für den Kalender vorgestellt wurden. „Natürlich haben die Jungs Sprüche gemacht, aber eigentlich haben sie sich gefreut“, erinnert sich Hendrik. „Ich hatte den Aufruf gesehen und fand die Idee gut, das Image der Landwirtschaft aufzufrischen.“ Zum Shooting ging es ins Alte Land. „Eine tolle Erfahrung, auch wenn es verdammt früh war.“ Auf das Ergebnis ist Hendrik gespannt - genauso wie seine Familie.
Felix Klabe